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Winter School "Translation"

BIGS-OAS WINTER SCHOOL
Translation. The cognitive appropriation of European key concepts in Asian and Middle Eastern societies (1860–1945)
07th – 12th December 2015 – venue: Annemarie Schimmel Kolleg – Heussallee 18–24 – Bonn, Germany

When the “long 19th century” drew to an end, almost every region of the world was under European control. During the so-called saddle period (1750–1850), the imperialism that was part of this dominance brought about the penetration of European ideas, concepts and related key terms into those societies which were controlled directly or indirectly by the European powers. These terms and ideas were discussed in the public sphere, which was emerging all over the world since the second half of the 19th century. Negotiation and appropriation pro-cesses began and, in many states, they still continue until the present day.

The appropriation or, as defined by the Translational Turn, translation of the European con-cepts behind these key terms not only takes place between languages, but also between cul-tures. From a perspective of cultural studies, on the one hand the general question arises as to whether cultures are translatable at all. On the other hand, the question of which aspects are actually being translated between cultures – key terms, culturally inflected systems of thought or “cultures as a whole” – is up for discussion. Also the criteria for transferring objects of translation between cultures have to be clarified. In this respect, the approaches of historical semantics are very helpful as they analyze the cultural, social and political conditions and prerequisites of how meaning was assigned and articulated at a given time. In the German- and French-speaking context, the “Geschichtliche Grundbegriffe” (1972–1997) and the “Handbuch politisch-sozialer Grundbegriffe in Frankreich 1680–1820” (1985ff.) are epoch-making fundamental works. And even though other excellent centers of European Concep-tional History have been established in the meantime, there are no extensive systematic indi-vidual or comparative studies building on the more recent theoretical and methodical discus-sions with a focus on the Middle East or Asia.

This is where the BIGS-OAS Winter School “Translation. The cognitive appropriation of European key concepts in Asian and Middle Eastern societies (1860–1945)” comes in. We want to measure the social, political and mental exchanges in a time of transformation in Asia and the Middle East that is still crucial until today, on the basis of central key concepts (democracy – freedom – constitutionalism – secularism – human rights - feminism). It is our objective to set the frame for an international and interdisciplinary exchange fostering sensitivity for heterogeneous social knowledge. This social knowledge is not only condensing or updating itself in key terms, but it also comprises implicit phenomena. Participants should be willing to work on diverging perspectives from culturally diverse contexts and to discuss them. 


„Translation. The cognitive appropriation of European key concepts in Asian and Mid-dle Eastern societies (1860–1945)” – Ein Nachbericht zur BIGS-OAS Winterschool 2015

Als erstes gemeinsames Großprojekt veranstaltete das von der Gerda Henkel Stiftung finanzierte Forschungsprojekt „Zwischen islamischem Fundamentalismus und islamischer Emanzipation – Positionen muslimischer Schlüsselfiguren des 20. und 21. Jahrhunderts“ vom 07. bis 12. Dezember 2015 eine internationale Winterschool zum Thema „Translation. The cognitive appropriation of European key concepts in Asian and Middle Eastern societies (1860–1945)”. Die Tatsache, dass bislang für den Nahen Osten und für Asien keine größeren systematischen und an die neueren theoretischen und methodischen Diskussionen anknüpfenden Einzel- oder Vergleichsstudien vorliegen, nahmen wir dabei zum Anlass, die Aneignung oder – im Sinne des Translational Turn – Übersetzung der hinter den Schlüsselbegriffen stehenden europäischen Konzepte in einem multikulturellen Kontext zu diskutieren.

Gemeinsam haben wir in einer Gruppe aus internationalen Teilnehmern den sozialen, politischen und mentalen Wandel in einer bis heute entscheidenden Transformationszeit in Asien und im Nahen Osten (1850-1945) anhand zentraler Schlüsselkonzepte (Freiheit – Säkularismus – Nation – Menschenrechte) gemessen. Ziel war es, den Rahmen für einen internationalen und interdisziplinären Austausch zu schaffen, der die Sensibilität für verschiedenartiges soziales Wissen fördert. Die Teilnehmer der Winterschool waren Doktoranden geisteswissenschaftlicher Disziplinen, die sich mit Conceptual History in der Zeit von 1850 bis heute beschäftigen und die ihre Perspektiven und Forschungsergebnisse in unserer international ausgewählten Gruppe teilten und reflektierten.

Finanziert wurde das Projekt über das Lehrprogramm der Bonner Graduiertenschule BIGS-OAS mit Mitteln des vom DAAD und dem BMBF zur Verfügung gestellten IPID4all (International promovieren in Deutschland für alle) Programms. Die insgesamt 16 Teilnehmer kamen aus unterschiedlichen Fachbereichen von Literaturwissenschaft über Translation Studies hin zu Sinologie, Islamwissenschaft, Mongolistik oder Indologie. Die Gruppe setzte sich zusammen aus sieben internationalen Doktoranden und einem Teilnehmer aus Berlin, für deren Anreise, Verpflegung und Logis wir dank des oben genannten Programms aufkommen konnten, sowie fünf Teilnehmern der BIGS-OAS und uns. Für das Lehr- und Rahmenprogramm konnten wir neben Prof. Conermann noch Prof. Christine Schirrmacher sowie Prof. Harald Meyer gewinnen.

Das Programm der Winterschool wurde entlang verschiedener Schlüsselbegriffe strukturiert. Am Montag diskutierte die Gruppe unter Leitung von Verena Ricken nach einer kurzen Einführung und einer Vorstellungsrunde unterschiedliche Freiheitskonzepte unter dem Titel „On Freedom and Liberties“. Dazu bearbeiteten wir verschiedene Fallstudien aus nichteuropäischen Kontexten und setzten diese in Bezug zum naturrechtlichen Freiheitsbegriff der europäischen Tradition. Ziel war es dabei, sich in intensiven Debatten, in die die Teilnehmer auch ihre persönlichen kulturellen und fachspezifischen Hintergründe mit einbrachten, der Diversität von Freiheitskonzepten und deren Begründungen bewusst zu werden. Am Dienstag hatte die Einheit von Fabian Falter unter dem Titel "Secularism - Precondition of a Modern Society?" das Ziel, die Herkunft dieses sehr geläufigen aber schwammigen Begriffs zu beleuchten, über die verschiedenen Aspekte zu debattieren und sich mitunter konträre Verständnisse in Europa und Asien zu vergegenwärtigen. Da der Schwerpunkt auf Indien - in dem Säkularismus-Konzepte bis heute viel diskutiert sind - lag, wurde der Zeitrahmen auch auf postkoloniale Debatten ausgedehnt. Die Unterrichtseinheit von Sarah Spiegel zu "Nation - an Outdated Concept in the Global Era?" widmete sich der Entstehung und Bedeutung der Konzepte Nation und Nationalismus im europäischen Kontext. Im zweiten Teil wurden die Schwierigkeiten einer Translation dieser Konzepte in postkolonialen arabischen Gesellschaften problematisiert. Anhand von Textbeispielen aus dem arabischen Raum wurden typologische Merkmale des Übersetzungsprozesses und der Terminologie herausgearbeitet, in dem die internationalen Teilnehmer ebenso ihre persönlichen Beispiele und Ideen einbrachten. Ziel des Ganztags-Seminars von Prof. Schirrmacher am Donnerstag zum Thema „Current Debates on Human Rights and Civic Liberties in the Middle East" war es, Einblick in die breit gefächerte Diskussion über die Menschenrechtsthematik in nahöstlichen Gesellschaften zu gewinnen und dabei einerseits Begründungen für Einschränkungen wie andererseits Forderungen nach Erweiterung von Menschenrechten kennenzulernen. Dabei waren die Teilnehmer durchweg motiviert, thematisch sehr interessiert und zeichneten sich durch eine hohe Bereitschaft aus, aufeinander zu hören und miteinander zu diskutieren. Ein historischer Überblick zur Bedeutung des sogenannten langen 19. Jahrhunderts von Prof. Conermann, ein Besuch im Bonner Haus der Geschichte, ein gemeinsames Abendessen und ein öffentlicher Abendvortrag von Prof. Harald Meyer zum Thema „Conceptual History and Translation as shown in the ‚Begriffsgeschichten aus den Ostasienwissenschaften‘“ rundeten das Programm inhaltlich ab.

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